Plakat-Kunstaktion „Das schaffen wir!“ 
15./.16./17. April 2016 im Berliner Stadtraum


Mit der Plakat-Kunstaktion „Das schaffen wir!“ entert der Künstler und Autor Joerg Waehner ein scheinbar aktuelles Thema und nutzt das Motiv (Ähnlichkeit zu Merkels Spruch und frühem Porträt) ironisch für die eigene Geschichte, die in seinem gleichnamigen Roman, der Teil dieser Performance ist, aufgegriffen wird. Im Buch wird in einem subversiven Akt das DDR-Parteitagszeichen mit den verschränkten Händen zum Siegeszeichen der polnischen Solidarność umgestaltet.
Damals war es politisch, heute ist es (nur) Kunst. 
Wie im Roman kapert der Künstler Joerg Waehner heute ein augenscheinliches Thema und hinterfragt mit seiner Aktion Sehgewohnheiten, fordert unsere Vorurteile heraus und verweist letztendlich auf den ursprünglichen Gehalt des Gezeigten. Denn Bilder sind Blickwinkel, in denen sich Geschichte auflöst. Wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: die Täuschung ist eine Selbsttäuschung. Immer mit der augenzwinkernden Geste: Das schaffen wir! Punkt Komm


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Kippenberger ist schuld ...


Am 27. Februar stand ich am Grab des Spektakel- und Ausnahmekünstlers Martin Kippenberger in Jennersdorf im Burgenland/Oesterreich. Bereits zuvor war ich beim samstäglichen Frühschoppen im Csuk auf seine Witwe, die Modefotografin Elfie Semotan, getroffen. Ich setzte Kippi mein Käppi auf seinen langen Gedenkstein und hoffte auf seinen Rat. Wusste ich doch nicht weiter, im Glauben, abhängig von Verlagen und Galerien zu sein, suchte ich nach einer Lösung für meine ausgebremste Schaffenslust.

Mach! Mach’s!

Noch war ich mir nicht sicher, auf was sich seine Ermunterung bezog, die ich tatsächlich glaubte vernommen zu haben. Erst zuhause, wieder in Berlin, fokussierte sich alles zu einer Idee, die sich in einem schlüssigen Traum sogar noch verfestigte. Denn bisher laborierte ich mit dem Archivmaterial meiner ostdeutschen Sozialisation weitgefächert und ausufernd herum. Das aufgefundene Plakatmotiv „Das schaffen wir!“ mit der Merkel ähnlichen Traktoristin fand ich als satirischen Kommentar - schließlich war das Land, was sich dort so stolz präsentierte kläglich untergegangen - spannend als Analogie zur laufenden politischen Debatte über die „Flüchtlingskrise“, als weiterführenden Gedanken jedoch zu wenig. Vorerst. Schließlich behandelt mein aktueller Roman eine ähnliche Konstellation. Also ging es jetzt darum, die Geschichte des Plakats von der öffentlichen Wirkung auf den inhaltlichen Zusammenhang im Buch zu richten. Mir das Augenscheinliche anzueignen, mit einer kleinen Verschiebung. Eine Appropriation. Also eine Methode anzuwenden wie mein Romanheld damals im Osten. Als der Druckerlehrling Jan Welser auf dem abgebildeten Plakat, in einem subversiven Akt, das Motiv der Parteitagshände in das Siegeszeichen der polnischen Arbeiter umgestaltete. Nach seiner Rückkehr aus dem Polen der Solidarność-Bewegung war für ihn nichts mehr wie zuvor. Er konnte und wollte nicht mehr an den Zeitungslügen in seinem Lehrbetrieb mittun und beschließt ein selbstbestimmtes Leben als freier Künstler zu führen. Frei nach dem Motto: Das schaffen wir!

Wie sagte Kippenberger? „Mach’s!“


Joerg Waehner

 

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