Man nehme das, was es nicht gibt ...


Anfang 1980 verschlechterte sich die gesamtwirtschaftliche Lage in der VR Polen dramatisch:

die Subventionen für Grundnahrungsmittel verschlangen etwa 40% der Staatseinnahmen, der Kaufkraftüberhang nahm ständig zu, die im Westen aufgenommenen Schulden konnten nicht mehr bedient werden. Die Regierung wählte erneut den Weg der Preiserhöhungen und begann damit ohne öffentliche Bekanntmachung am 1. Juli, dem landesweiten Beginn der Sommerferien. Darauf brachen in vielen Betrieben umgehend Streiks aus, zunächst im Traktorenwerk Ursus in Warschau, dann in Ostpolen ...



„Kiszone ogórki“

- Eingelegte Gurken -


1l Wasser, 1EL Salz, 1 TL Zucker, 2 Knoblauchzehen, 1 Stück Meerrettich, Dill.

Wasser mit Salz und Zucker kochen und anschließend in ein großes Glas geben.

Gurken waschen und dazugeben. Knoblauchzehen und Meerrettich schälen und mit Dill in das Glas füllen.



+++ 16. bis 19. Juli. Generalstreik - „Lubliner Juli“. Die Regierung versuchte zunächst dem Konflikt mit Repression beizukommen, lenkte dann aber ein: Den materiellen Forderungen wurde

weitgehend entsprochen. +++



„Sałatka z buraczków“

- Rote Bete-Salat -


3kg Rote Bete, 3 große Zwiebeln, 4 rote Paprika, 1 scharfe Paprika, 1 Glas Essig (10%),

1 Glas Zucker, 1 EL Salz.

Rote Bete kochen, danach erst schälen und grob reiben. Zwiebeln und rote Paprika in Streifen schneiden. Essig, Zucker und Salz zusammen kochen. Anschließend Zwiebeln und Paprika hinzugeben, 5 min. kochen, Rote Bete hinzugeben und heiß in Gläser füllen.



„Ehemaliger polnischer Ministerpräsident Piotr Jaroszewicz aus der PVAP ausgeschlossen

Warschau. (ADN-Korr.) ... die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen über Fehlentscheidungen

in der Wirtschaftspolitik seien geprüft und als begründet erachtet worden.“

(„Freie Presse“, 7.02.80)



„Kapusniak“

- Kohlsuppe -


500g Weißkohl, 50g Zwiebeln, 10g geräucherter Speck, 200g Kartoffeln, 2l Wasser,

2 Würfel Suppenbrühe, 1 Lorbeerblatt, 2 Knoblauchzehen, 1 Löffel gehackte Petersilie, Salz.


Den Kohl zuerst schälen, gründlich waschen und klein schneiden. Die geschälten Zwiebeln und den Speck

in kleine Würfel schneiden und alle Zutaten mit kochendem Wasser eingießen. Den Kohl so lange kochen,

bis er fast weich ist. Den Deckel für zwei bis drei Minuten vom Topf nehmen und danach mit geschlossenem Deckel weiter kochen lassen. Die Kartoffeln schälen, in dünne Scheiben oder Würfel schneiden und zur Suppe geben. Erst wenn die Kartoffeln weich sind, den mit Salz geriebenen Knoblauch in die Suppe geben.

Zum Schluss mit Salz abschmecken. Vor dem Servieren die gehackte Petersilie hinzugeben.



+++ 4. August. Streikaktionen in Gdynia, im Hafen von Danzig, in Kielce und Ursus. +++



„Perogi dla leniwych“

- Pirogen für Faule -


300 bis 400 g Butter, Salz, 500 g trockener Quark oder weißer Käse, 1 Eigelb und 1 Eiweiß,

1500 g Mehl


Alles zu einem Teig verrühren und Klößchen formen. Wenn die Pirogen an die Wasseroberfläche kommen,  mit einer Schöpfkelle herausnehmen. Mit Speck oder Sahne und Zucker übergießen.



+++ 6. August. Die Streikwelle erreichte Posen. Wallfahrtsbeginn in Warschau +++



Pirogen„Kopytka“

- Kartoffelklöße -


1 kg mehlige Kartoffeln, 300–350g Mehl, 1-2 Eier, Salz, 40g Margarine, 20g Semmelbrösel, eine Prise Salz.


Kartoffeln waschen und kochen. Abkühlen lassen, pellen und stampfen. Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben. Aus den gestampften Kartoffeln, Mehl, Eiern und Salz einen Teig kneten. Den fertigen Teig in drei gleich große Stücke teilen. Aus jedem Stück eine fingerbreite Rolle formen und diese in 4-5 cm lange Klößchen schneiden. Die Klößchen portionsweise in einen großen Topf mit kochendem Salzwasser geben. Die Klößchen sind gar, wenn sie vom Topfboden an die Oberfläche kommen und müssen dann schnell mit einer Schöpfkelle herausgenommen werden. Mit in heißer Margarine angerösteten Semmelbröseln servieren.



+++ 7. August. Anna Walentynowicz, Kranführerin und Heldin der Arbeit, wurde mit einer „Disziplinarentlassung“ von der Leninwerft in Danzig verbannt. Sie verteilte Flugblätter für freie Gewerkschaften und

für die Rechte der Arbeiter. +++



„Zupa grzybowa“

- Pilzsuppe -


1,5l Brühe aus Knochen und Gemüse, 150ml Sahne, 50g getrocknete Pilze, 30-40g Zwiebeln, 30g Fett,

30g Mehl, Petersiliengrün, Salz und Suppenwürze zum Abschmecken, 1 kleiner Pfannkuchen.


Die Pilze einweichen und mit den gewürfelten Zwiebeln auf kleiner Flamme zugedeckt kochen. Nach dem Kochen abseihen und die Pilze in Streifen schneiden. Fett und Mehl zu einer Mehlschwitze verrühren und mit einem Schneebesen die Brühe hinzu geben. Eine Weile kochen lassen. Die Sahne hinzufügen, aufkochen und abschmecken. Vor dem Servieren gehackte Petersilie und den in Streifen geschnittenen Pfannkuchen

darüber streuen.



+++ 8. August. Streik bei der Müllabfuhr in Warschau und im öffentlichen Nahverkehr der Hauptstadt. +++



„Flaki“

- Kutteln -


Zutaten: 500 g Kutteln, 2 Lorbeerblätter, 50 g Butter, 1 gehackte Zwiebel, 1 in Scheiben geschnittene Lauch-Stange, 1 in Scheiben geschnittene Möhre, 1/4 TL Ingwer, gemahlen, 1/4 TL geriebene Muskatnuss,

1/4 TL gerebelter Majoran, 1/4 TL Piment, gemahlen, Salz, Pfeffer (nach Geschmack), 30 g Weizenmehl,

50 g Brotkrumen, 600 ml Rinderbrühe, 2 EL Petersilie


Die Kutteln waschen und in einem Topf mit kochendem Wasser geben. 5 Minuten kochen, abtropfen lassen und abspülen. Das Kochwasser ausgießen, Topf abspülen, die Kutteln wieder hineingeben und mit frischem Wasser bedecken. Lorbeerblätter und Salz dazugeben. Zum Kochen bringen und die Kutteln

ca. 4 Stunden weich kochen.

Danach erneut abtropfen lassen und abspülen. In kurze,  feine Streifen schneiden. Das Gemüse in der Hälfte der Butter dünsten, Gewürze und Mehl unterrühren. Die Brühe zugießen und alles

ca. 20 Minuten lang köcheln lassen.

Backofen auf 200 Grad vorheizen. Kutteln-Streifen in eine feuerfeste Form geben und mit der Soße begießen. Die restliche zerlassene Butter mit der Petersilie darüber geben.

Im Backofen 20 Minuten backen. Mit Kartoffeln servieren.



+++ 10. August. Danzig, Freilassung zweier Mitglieder der „Bewegung zum Schutz der Menschen- und Bürgerrechte“ (ROPCiO), die nach einer Kundgebung vom 3. Mai verhaftet worden waren.

An diesem Abend besprachen fünf Mitglieder des illegalen „Komitees zur gesellschaftlichen Selbstverteidigung“ (KSS/KOR) und der „Freien Gewerkschaft des Küstenraumes“ (WZZ), den Streiktermin

auf der Leninwerft. +++




„Chlodnik“

- Kaltschale -


250 ml Rübensäure, 250 ml dicke Sahne, 500 ml Dickmilch, 1 Bund junge Rote Bete mit Blättern,

1EL Zitronensaft, 4 hart gekochte Eier, 150g gebratenes Kalbfleisch, 1 frische Gurke,1 Bund Schnittlauch,

1 Bund Dill, 1 Bund Radieschen, Salz, Zucker.


Die Rote Bete gründlich waschen, Stiele und Blätter hacken. Mit wenig Wasser aufsetzen, 1EL Zitronensaft dazugeben und 10min. zugedeckt kochen lassen. Die Gurke waschen, schälen, würfeln und salzen. Dill und Schnittlauch fein hacken. Gewaschene Radieschen in dünne Scheiben schneiden. Eier schälen und vierteln, Kalbfleisch in Würfel schneiden. Dickmilch in einem großen Steingut-Gefäß mit einem Schneebesen schlagen. In einem anderen Topf Sahne schlagen und der Milch beimengen und das Ganze miteinander verrühren und noch etwas schlagen. Dann die Rübensäure und die abgekühlte Rote Bete dazugeben und zum Schluss die gewürfelte Gurke, Radieschenscheiben, Dill, Schnittlauch und Fleisch hinzufügen. Mit Salz und Zucker abschmecken. Alles verrühren und 2 Stunden im Kühlschrank stehen lassen. Vor dem Servieren einige Eierviertel auf jeden Teller legen und mit der Suppe übergießen.



+++ 12. August. Die polnische Parteizeitung „Trybuna Ludu“ schrieb:

„Streiks zeugen vom mangelnden Klassenbewusstsein.“ +++



„Zurek“

- Sauerteigsuppe -


200g Roggenmehl, 3 Knoblauchzehen, eine Prise Salz und Zucker, 2EL Sahne, 3 Eier.


1l Wasser kochen und abkühlen lassen. In einen Steingut-Topf Mehl, Knoblauch, Salz und Zucker nach Geschmack hineingeben und mit dem abgekochten Wasser übergießen. Den Topf mit einem sauberen Geschirrtuch abdecken und für 3-4 Tage an einen kühlen Ort stellen. Der fertige Sauerteig sollte angenehm säuerlich und nicht faul riechen. Sauerteig mit 1l heißem Wasser vermengen, etwas frischen Knoblauch und Sahne hinzufügen und aufkochen. Mit hart gekochten Eiern servieren.


„Von Zur wird der Mann stark wie eine Wand!“



+++ 13. August. Fünf Leute wussten von den Streikvorbereitungen auf der Leninwerft. Eben die, die ihn auslösen sollten. Der Geschichtsstudent Bogdan Borusewicz, der zuvor in unterschiedlichen Verstecken gewohnt und illegal Flugblätter drucken lassen hatte. Drei junge Werftarbeiter, die in der Nacht Tausende Exemplare und einige Plakate auf die Werft schmuggelten und Lech Wałęsa, Streikführer von 1970.

Ihr Trinkspruch: „Auf den Erfolg unserer aussichtslosen Sache!“ +++




„Zupa ogórkowa“

- Gurkensuppe -

(Für vier Personen)


200 g Suppenfleisch bzw. drei Hähnchenflügel, Suppengemüse, 4 mittelgroße Salzgurken, 2 Möhren, 1 kleine Stange Porree, 1 kleines Stück Sellerie, 1 Beutel Reis, Salz und Maggi,

10 ml Sahne


Das Suppenfleisch mit dem Gemüse in zwei Liter Wasser kochen. Nachdem das Fleisch fertig gekocht ist, wird die Suppe durch ein Sieb gereinigt. In die Suppe den ungekochten Reis geben. Den Reis in der Suppe ca. 10 Minuten kochen, bis dieser halb weich ist. Danach werden die Salzgurken durch ein Reibeisen in die Suppe gerieben. Anschließend weitere zehn Minuten kochen, bis der Reis gar ist. Die vorgekochten Möhren ebenfalls in die Suppe reiben, nach Belieben Dill hinzugeben. In die nicht mehr kochende Suppe die Sahne einrühren und mit Maggi und Salz abschmecken. Sollte die Suppe nicht ausreichend säuerlich sein, ein wenig Gurkenwasser hinzugeben.



+++ 14. August. Wallfahrtsankunft in Tschenstochau.

Danzig. Drei junge Werftarbeiter, Jerzy Borowczak, Bogdan Felski und  Ludwik Pradzynski,

verteilten auf ihren Weg zur Frühschicht 12.000 Streikaufrufe in Zubringerzügen,

hinter dem Tor der Leninwerft und in ihren Abteilungen.

6:00 Uhr begann der Streik. +++


+++ 9:00 Uhr, Lech Wałęsa, entlassener Elektriker, überstieg die Mauer der Werft und übernahm die Führung der Streikenden +++ ein Streikkomitee wurde gegründet und die entlassene Kranführerin Walentynowicz von den Arbeitern im Wagen des Direktors zurück auf die Werft geholt +++




„Pierogi z miesem“

- Pirogen mit Fleischfüllung -


400g Mehl, Salz, Pfeffer, 1 Glas warmes Wasser, 600g gemischtes Hackfleisch, 1 Ei, 2 Zwiebeln, 3 Scheiben Speck, frische Petersilie, Öl.


Zwiebel schälen, in kleine Würfel schneiden und einen großen Teil in Öl andünsten. Fleisch hinzufügen und anbraten. Mit dem Ei, Salz und Pfeffer vermischen. Aus Mehl, Salz und warmem Wasser einen Teig kneten. Teig auf einer bemehlten Arbeitsfläche ausrollen und mit einem umgedrehten Glas Kreise herausstechen. In die Mitte der Kreise einen flachen EL Fleischfüllung legen, die Kreise zusammenklappen und Pirogen formen. In leicht gesalzenem siedenden Wasser kochen. Pirogen mit einer Schöpfkelle herausnehmen, wenn sie an der Wasseroberfläche schwimmen. Speckscheiben in kleine Streifen schneiden und mit den restlichen Zwiebelwürfeln in einer Pfanne anbraten. Zusammen mit der Petersilie vor dem

Servieren über die Pirogen geben.




+++ 15. August. Mariä Himmelfahrt - Danzig. Die Straßenbahnfahrerin Henryka Krzywonos stoppte 8:05 Uhr ihre Tram der Linie 15 vor der Baltischen Oper, weil sie sich mit den Werftarbeitern solidarisierte, und löste mit ihrer Blockade den

Streik der Verkehrsbetriebe aus. +++


+++ Auf der Werft in Gdingen solidarisierte sich der junge Schweißer Andrzej Kołodziej mit den Danziger Kollegen und forderte darauf die Absetzung der gesamten Werftleitung. Die Kollegen stimmten ihn zu und riefen: „Sperrt den Direktor ein!“ +++


+++ In den nächsten Stunden folgten jetzt dem Streikaufruf der beiden Werften in Danzig und in Gdingen die Nordwerft, die Fabrik für elektrische Schiffseinrichtungen „Elmor“ und auch in den Häfen wurde nicht mehr gearbeitet. Immer mehr Schiffe ankerten vor Danzig und Gdingen, ein weithin sichtbares Zeichen:

„Die Küste streikt!“ +++




„Barszcz“

- Rote-Bete-Suppe -


250 g Rinderbrust, 1 Scheibe durchwachsener Speck (50 g), 1 kleine Stange Lauch, 1 Petersilienwurzel, 1 Möhre (Karotte), 1 Lorbeerblatt, 2 Pimentkörner, 1 TL schwarze Pfefferkörner, Salz

Rote-Bete-Brühe: 300 g frische Rote Bete, 2-3 EL Apfelessig, Salz, 2 EL Zitronensaft, 1/2 TL Zucker,

1 Knoblauchzehe, 1/2 Bund Schnittlauch


Rinderbrühe, Rindfleisch und Speck in einen Topf legen; Suppengemüse waschen, putzen, in grobe Stücke schneiden, mit Lorbeerblatt, Piment- und Pfefferkörnern, 1 TL Salz und 1 L Wasser aufkochen, abschäumen. Bei schwacher Hitze 90 Minuten kochen lassen; Fleisch in Alufolie wickeln und warm stellen; Brühe durch ein Sieb gießen, Gemüse und Speck mit Löffel ausdrücken und entsorgen. Brühe kaltstellen. Das nun fest gewordene Fett abheben.


Rote-Bete-Brühe:

Rote Bete schälen, in einen Topf raspeln, mit 3/4 L Wasser aufkochen und 10 Min. garen. Essig und 1/2 TL Salz unterrühren, 20 Min. ziehen lassen; die Rote-Bete-Brühe durch ein Sieb gießen, mit Löffel das Gemüse ausdrücken und entsorgen.


Rote-Bete-Suppe:

Beiden Brühen nun miteinander vermischen, mit Salz, Zitronensaft und Zucker abschmecken und nochmals erhitzen. Knoblauch schälen, fein hacken, Schnittlauch in Röllchen schneiden, Knoblauch vor dem Servieren in die Brühe rühren und auf jede Portion Schnittlauch streuen.

Ein Höhepunkt in der feinen polnischen Küche, die klare rote Brühe, die durch ihr delikates Aroma überrascht und erahnen lässt, wie viel Aufwand dahinter steckt. In Polen wird sie mit vergorenem Rote-Bete-Saft abgeschmeckt.


„Roter, bete! Kommunismus und Glaube vereint in einer Suppe.“




+++ 15. August. Sicherheitschef Stanisław Kania reiste an die polnische Küste. 12:00 Uhr wurden in der Dreistadt Danzig-Zoppot-Gdingen die Telefonnetze sowie die Fernschreibvermittlung blockiert. Die Verbindung der Ostseeküste mit dem Rest Polens war damit unterbrochen. An den Zufahrtsstraßen zur Stadt patrouillierten Polizeikontrollen.

Die Dreistadt stand quasi unter Quarantäne. +++




„Bigos“

- Gekochtes Sauerkraut -


2 Dosen Sauerkraut, 1 große Zwiebel, Speck bzw. Schinkenwürfel, 1 großer saurer Apfel (z.B. Boskop), 1 kg Schweinenacken in Scheiben, Pflaumenmus bzw. getrocknete Pflaumen, Öl


1. Tag

Das Fleisch mit etwas Wasser in einen großen Topf bei mittlerer Hitze ca. 20 min lang kochen. Den Apfel schälen und vierteln. Die Zwiebeln schälen und in Würfel schneiden. In eine Pfanne etwas Öl geben und den Speck zusammen mit den Zwiebeln darin andünsten. Den Schweinenacken (wenn gar) herausnehmen (das Kochwasser nicht wegschütten!) und klein schneiden. In das Kochwasser abwechselnd eine Schicht Sauerkraut, Fleisch, Speck und Apfelstücke hineingeben, bis alle Zutaten aufgebraucht sind. Pflaumenmus bzw. getrocknete Pflaumen hinzufügen. Bei mittlerer Hitze 3 Stunden kochen.

2. und 3. Tag,

Bigos jeweils 1 Stunde lang bei mittlerer Hitze köcheln lassen. Grundsätzlich kann Bigos bereits am ersten Tag gegessen werden. Besser schmeckt er jedoch aufgekocht am nächsten bzw. übernächsten Tag. Regelmäßig aufgewärmt hält sich Bigos beinahe unbegrenzt lange, frei nach dem Motto: je oller der Bigos, 

je doller der Geschmack.


oder:


1kg Weißkohl, 1kg Sauerkraut, 800ml Wasser, 500 g gebratenes Schweinefleisch, 500 g gebratenes Rindfleisch, 600 g Wurst (verschiedene Sorten), 400g gekochter Schinken, 2 EL Schmalz (Öl/Butter), 10 getrocknete Steinpilze, 10 entkernte gedörrte Zwetschgen, 10 zerkleinerte Wacholderbeeren, 10 Pfefferkörner,

1 Lorbeerblatt, 2 Zwiebeln, 2 saure Äpfel, 150ml herber Rotwein oder Madeira, 1 TL Honig, Salz, Pfeffer.


Das Sauerkraut ausdrücken und klein hacken. Den Kohl auch klein hacken und mit siedendem Wasser übergießen. Die Pilze 15 min. in warmem Wasser einweichen und dann 30 min. kochen lassen. In dünne Streifen schneiden. Den Sud Beiseitestellen. Die Äpfel schälen und in Würfel schneiden. Die Zwiebeln abziehen, waschen, fein hacken und in 1 Löffel Schmalz leicht bräunen. Das Sauerkraut, den Kohl, die gebräunten Zwiebeln, die geschnittenen Pilze mit dem Sud, die geschnittenen Äpfel, gedörrten Zwetschgen, die Pfefferkörner, das Lorbeerblatt und die Wacholderbeeren in einen großen Topf geben und mit 800 ml siedendem Wasser übergießen und bei kleiner Flamme 1,5 Stunden zugedeckt kochen. Alle Fleisch- und Wurstsorten in Würfel schneiden. Die Wurst in Butter/Schmalz anbraten. Dem Kraut beimengen. Den Wein und den Honig dazugeben und unter mehrfachem Rühren noch 40 min. kochen lassen. Sehr heiß servieren.




„Die Arbeitsunterbrechungen sind besorgniserregend, spitzen sie doch die ohnehin angespannte Wirtschaftslage noch mehr zu, verringern das Volumen der erzeugten, so dringend benötigten, in unseren Geschäften gefragten Waren und Dienstleistungen.“

„Glos Wybrzeza“, 15.08.80


„Nichts ist beunruhigender als die Stille einer stillstehenden Fabrik, als der Stillstand von Maschinen und Anlagen, die sich nicht rühren, nichts herstellen und schweigen. Sie liefern keine Antworten auf unsere geballten Bedürfnisse. In einem solchen Klima werden wir letztendlich zu keiner Lösung gelangen. ... Verantwortlichkeit? Was bedeutet das heutzutage? Lässt sich dieser Begriff mit weiteren Ausständen in Einklang bringen?“

„Trybuna Ludu“, 15.08.80




„Pyzy nadziewane“

- Gefüllte Kartoffelknödel -


500g Kartoffeln, 30g Weizenmehl, 100g gekochtes Schweinefleisch, 1/2 Zwiebel, 3 EL Brühe, 100g durchwachsener, gewürfelter Speck, 2 EL Butter, Salz, Pfeffer.


Kartoffeln kochen, abkühlen lassen, pellen und stampfen. Mit Mehl, 1/2 TL Salz und Pfeffer zu einem Teig verarbeiten. Feingehacktes Fleisch, geriebene Zwiebel und Brühe mischen. Kartoffelteig in acht Portionen teilen. Jede Portion flach drücken, etwa 1 EL Füllung darauf geben und Teig falten, sodass die Füllung vom Teig umschlossen ist. Einen Topf Wasser zum Kochen bringen, Klöße hineingeben und ca. 7 min. köcheln lassen. Speck in Butter bräunen und über die Klöße geben.



+++ 16. August. 14:17 Uhr, Lech Wałęsa verkündete das vorläufige Streikende. Die Mehrheit der Arbeiter stimmte einer Lohnerhöhung von 1500 Złoty zu. - Ende des Okkupationsstreiks ...


... Nach internen Protesten, vor allem dreier Frauen - Beginn des Solidaritätsstreiks.

16:00 Uhr, der Danziger Werftarbeiterstreik weitete sich zu einem Solidaritätsstreik aus +++ in der Nacht gründeten 21 Betriebe ein Überbetriebliches Streikkomitee (MKS) +++ Im MdI wurde ein Operativstab „Sommer 80“ gebildet +++ Im ZK der PVAP wurde eine Arbeitsgruppe „zur Koordinierung der staatlichen Maßnahmen für die Beilegung der Streiks“ unter der Leitung von Stanisław Kania aus dem Boden gestampft +++



„Tschorba“

Mit Fleischklößchen


Brühe - Karotten, Porree, Sellerie, Petersilie, Tomatenmark, Salz, Pfeffer. Fleischklöße - 800g Eier, 100g Reis, Salz, Pfeffer. Das Suppengemüse säubern, abspülen und klein schneiden. In einen Topf geben und mit etwa 2l Wasser eine Brühe kochen. Das Rindfleisch durch den Fleischwolf drehen, mit dem zuvor gekochten Reis vermischen und abschmecken. Kleine Klöße formen und in die kochende Brühe geben, Tomatenmark hinzufügen. Die Suppe abschmecken und kurz aufkochen.




+++ 17. August. Gottesdienste auf den Werften in Danzig und Gdingen

mit den Pfarrern Henryk Jankowski und Jastak Hilary +++



Eier auf polnische Art


4 hart gekochte Eier, 50g Butter, 4 EL geriebener Käse, 3 EL klein gehackte Kräuter, 2 EL Semmelbrösel,

Salz, weißer Pfeffer.


Die Eier mit der Schale mit einem großen, sehr scharfen Messer längs halbieren. Eigelb und Eiweiß vorsichtig aus den Schalen lösen. Eigelb durch ein Sieb streichen. Eiweiß sehr fein würfeln. Mit den Kräutern und 40g der Butter vermischen. Mit Salz und Pfeffer pikant abschmecken. In die Eierschalen füllen. Semmelbrösel und Käse mischen, darüber streuen. Die restliche Butter zerlassen und darüber träufeln. Eier in eine feuerfeste Form setzen und im vorgeheizten Ofen (240°, Gas Stufe 5) 10 min. überbacken.




+++ 18. August. In Stettin schlossen sich die Arbeiter der „Parnica“-Reparaturwerft und der „Adolf-Werski“-Werft dem Streik in Danzig an:

„Wir streiken! Wir solidarisieren uns mit den Danzigern!“


Am Abend beriet die aus Warschau angereiste Regierungskommission unter Leitung des stellvertretenden Ministerpräsidenten Tadeusz Pyka mit örtlichen Vertretern in Danzig über

„Forderungen der Belegschaften und Probleme an der Danziger Küste“ +++




Lemberger Knoblauchsalat


4 Eier, 2 Schmelzkäse à 150g, 1 Glas Mayonnaise, 5 Knoblauchzehen, Pfeffer, Salz.


Eier hart kochen, ein halbes Glas Mayonnaise und die beiden Schmelzkäse in eine Schüssel geben. Knoblauch pressen, Eier schälen, dazugeben und alles mit dem Kartoffeldrücker pressen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.




+++ 21. August. Eine Regierungsdelegation reiste mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Mieczysław Jagielski an die rebellische Ostseeküste. Die Mitglieder der Delegation versuchten vergeblich, mit einzelnen Betrieben Gespräche aufzunehmen. +++

+++ Die Warschauer-Pakt-Staaten waren gegenüber der Danziger Werft zum Eingreifen bereit. +++


+++ 23. August. Das Überbetriebliche Streikkomitee (MKS) lud zur Unterstützung ihrer Forderungen eine Gruppe von Experten mit Tadeusz Mazowiecki und Bronisław Geremek ein.


+++ 27. August. Das MKS vertrat bereits 630 Unternehmen. Wałęsa schlug vor, die in Danzig geschlossene Übereinkunft auf das ganze Land zu übertragen.

Die Regierung antwortete mit der Verhaftung von Oppositionellen. +++




Fleisch-“Tschulent“


1,5 kg Rindfleisch (Bruststück), 400g weiße Bohnen, 300g Zwiebeln, 100g Fett (Öl), 200g Grütze, 100g Mehl, Salz, Pfeffer, gemahlener Paprika.


Am Vortag die Bohnen einweichen. Das vorbereitete Fleisch in große Würfel schneiden, salzen und mit Mehl, Pfeffer und Paprika bestreuen. In einen Schmortopf zusammen mit den Zwiebeln in Fett anbraten. Dann Bohnen und Grütze hinzufügen und alles mit Wasser übergießen. Auf kleinem Feuer dünsten und bis zum Verzehr warmhalten.




+++ 31. August. Das „Danziger Abkommen“ wurde zwischen dem MKS, das inzwischen 700 Betriebe vertrat, und der Regierungsdelegation unterzeichnet. +++ Nach achtzehn Tagen feierten die streikenden Werftarbeiter ihren Sieg über die große Partei, die sich noch immer Arbeiterpartei nannte.

Wałęsa: „Wir haben alles erreicht, wovon wir träumten!“ +++




„Kreplech“


400g Rindsleber, 300g Zwiebeln, 100g Geflügelschmalz, 200g (ml) Öl, 2 Eier, 300g Mehl, Salz, Pfeffer.


Die Leber auf dem Grill anbraten, durch den Fleischwolf drehen und mit den angebräunten Zwiebeln, einem Ei und den Gewürzen mischen. Aus dem anderen Ei, Mehl und Wasser einen Teig zubereiten, dünn ausrollen und in etwa 3cm breite Quadrate schneiden. Mit Fleischfüllung belegen, zusammenklappen und die Ränder festdrücken. In kochendem Wasser abkochen, im Durchschlag abtropfen lassen und dann in Öl überbraten.




+++ 6. September. Der erste Sekretär des Zentralkomitees der PVAP, Edward Gierek, wurde „aus gesundheitlichen Gründen“ von seinem Amt enthoben und im Zentralkomitee durch den Chef der polnischen Sicherheitsorgane, Stanisław Kania, ersetzt. Weitere „personelle Veränderungen“ folgten. +++


+++ 4. bis 12. September. Manöver „Waffenbrüderschaft“ der Warschauer Vertragsstaaten +++


+++ 10. Dezember. In Danzig wurde das Denkmal für die 1970 gefallenen Werftarbeiter eingeweiht,

drei Ankerkreuze, zweiundvierzig Meter hoch. +++





Masurische Schmandspeise

- traditionelle Osterspeise -


500g Sahnequark, 500g Sahne, 200g Rosinen, 4 Eier, 200g Zucker.


Sahnequark mit dem Zucker und dem Eigelb schaumig rühren. Rosinen in warmem Wasser ca. 15 min. einweichen und anschließend ausdrücken. Sahne steif schlagen. Rosinen unter die Quarkmasse ziehen und die Sahne vorsichtig unterheben.





„Rezepte vorlesen helfe gegen Hunger, hatte meine Großmutter empfohlen.“




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